Unbekanntes und Bekanntes in neuem Gewand

Der junge Luzerner A-cappella-Chor molto cantabile breitete ein reiches Spektrum an weihnächtlicher Musik aus. Ihr Benefizkonzert in Luzern war zu Gunsten der LZ-Weihnachtsaktion.

Besinnlich, fröhlich, andachtsvoll, übermütig – die Mischung aus altbekannten Liedern in vertrauten Vertonungen und Unbekanntem in neuen Klängen gelang den 14 Sängerinnen und 12 Sängern in der übervollen Franziskanerkirche ausgezeichnet. Die Vielseitigkeit und Wandelbarkeit ihrer Stimmen liess das Benefizkonzert von molto cantabile zu Gunsten der LZ-Weihnachtsaktion zu einer wunderbaren Einstimmung in die Vorweihnachtszeit werden.

Man spürt die Begeisterung des Chores, man kann innerlich mitsingen, weil man jedes Wort versteht, man lässt sich mitnehmen in die Stimmungen der Gesänge, die klangvoll ausgestaltet werden. Ob Hammerschmidts «Machet die Tore weit» aus dem 17. Jahrhundert oder Bachs «In dulci jubilo», das Volkslied «Maria durch ein Dornwald ging» oder Johann Eccards «Übers Gebirg Maria geht», alles klingt wie eben neu erdacht und authentisch. Andreas Felber kann sich auf die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Sänger (alles wird auswendig gesungen!) verlassen und formt die Klänge wie aus einem einzigen Instrument heraus. Da klingen die Vokale bei allen gleich, die Absprachen sind punktgenau, dynamische Feinheiten werden in maximaler Abstimmung ausgesungen, und selbst strahlendes Forte bleibt mühelos.

Schwierigste Harmoniewechsel
In den «Quatre motets pour le temps de Noël» von Francis Poulenc zeigt der Chor seine intensiven Gestaltungsmöglichkeiten besonders eindrücklich. Da verdichten sich die Stimmen zu glasklaren Dissonanzen, die sich im jeweiligen Schluss zu reinem, hellem Dur-Klang lösen. Lange Legatophrasen gelingen ebenso wohlklingend wie kurze, genau miteinander gesungene Staccato-Einwürfe. Die kunstvolle Kompositionsweise Poulencs findet in molto cantabile ideale Interpreten. Selbst schwierigste Harmoniewechsel gelingen intonationssicher, die geforderte klangliche Bandbreite wird intensiv ausgesungen.

Hugo Distlers Vertonung «Es kommt ein Schiff geladen» erklingt zart im dreistimmigen Frauenchor, «Ihr Hirten erwacht» tönt kraftvoll in den sonoren Männerstimmen. Ein Höhepunkt ist dann aber «Es ist ein Ros’ entsprungen» in der Fassung des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Jan Sandström. Der Chor entfaltet summend einen wundersam schwebenden Klangteppich, während acht Sänger von der Empore aus den bekannten Satz in schwedischer Sprache singen. Sehr langsam, in grosser Ruhe wird da die Strophe mit langen Pausen, die von gesummten Clustern erfüllt sind, ausgesungen – mystisch treffen sich die Stimmen über den atemlos lauschenden Zuhörern.

Ironisch und humorvoll
Der letzte Liedblock bringt bekannte Weihnachtslieder in neuem Gewand. So wird «Still, still, still» in der englischen Fassung von Andrew Gant aus dem erleuchteten Chorraum in die ganz dunkle Kirche gesungen, und in Andrew Carters «The twelve days of Christmas» werden die zwölf Tage so launisch, ironisch und humorvoll gestaltet, dass die Besucher schmunzelnd mitgehen. Lang anhaltender, begeisterter Beifall fordert Zugaben. Andreas Felber bedankt sich herzlich bei den so zahlreich erschienenen Zuhörern, und nach «Jingle bells» dürfen alle bei «Oh, du fröhliche» mitsingen. Dieses Benefizkonzert entlässt die Besucher ganz sicher wunschlos glücklich in den zweiten Advent.

Gerda Neunhoeffer / Neue LZ